The World of Social Media 2011 - Facebook, Twitter & Co
Quelle: VideoInfographs.com
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via Marcus Schwarze
<p>The Like Log Study from Yury Lifshits on Vimeo.</p>
Dieser Text erschien in der Rheinischen Post vom 29. Januar 2011 und wurde leicht ergänzt.
Ganze 22 Jahre Entwicklungsarbeit lagen hinter ihm, als Steve Jobs am 27. Januar 2010 in San Francisco das fieberhaft erwartete iPad der Öffentlichkeit präsentierte. So lange hatten sich der Gründer und Chef der Computerfirma Apple und seine Entwickler mit einem Gerät beschäftigt, das eine neue Ära einleiten sollte. Zumindest die Verkaufszahlen sprechen dafür, dass genau das gelungen ist: Mehr als 14 Millionen verkaufte iPads im vergangenen Jahr bedeuten einen neuen Rekord; nie zuvor hat ein Mediengerät so schnell so viele Konsumenten erreicht.
Eigentlich weist das iPad als erstes Modell aus der Gattung der sogenannten Tablet-Computer keine revolutionären technischen Neuheiten auf. Es ist vielmehr die Summe seiner Eigenschaften, die das flache Gerät in seiner Kombination aus Computer und Bildschirm vereint: schnelle Betriebsbereitschaft ohne langwierige Startprozedur, kinderleichte intuitive Bedienung mit den Fingern auf dem Bildschirm und eine schier grenzenlose Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten. Mit dem iPad können Programme für E-Mail oder Büroanwendungen ebenso verwendet werden wie Internetbrowser, Spiele und Multimedia-Software. Die wichtigste Erkenntnis nach einigen Monaten war, dass sich das iPad hervorragend als sogenanntes Lean-Back-Medium verwenden lässt, bei dem die Mediennutzer entspannt zurück gelehnt Inhalte jeglicher Art konsumieren. Kein Wunder, dass Medienunternehmen das iPad als neuen verheißungsvollen Vertriebskanal identifizierten, um vorhandene und auch völlig neue Inhalte anzubieten.
Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis Zeitungs- und Zeitschriftenverlage nach dem Verkaufsstart im April in den USA und Ende Mai in Europa eigene Applikationen entwickelten, wie die kleinen Programme genannt werden, die eine Wiedergabe von Inhalten ermöglichen. Die Pionierrolle nicht nur in Deutschland, sondern weltweit übernahm der Axel-Springer-Verlag, der von Beginn an eine E-Paper-Version seiner Zeitung DIE WELT auf das iPad brachte. Wenige Wochen später erweiterte Springer sein Angebot um THE ICONIST, ein Multimedia-Magazin speziell für das iPad, und um DIE WELT HD, eine weitere interaktive Applikation der überregionalen Tageszeitung, die vier Mal am Tag aktualisiert wird. Als „großen Schritt zur Zeitung der Zukunft“ betrachtet Romanus Otte, General Manger WELT DIGITAL, die Tablets. „Die WELT HD gehört zu den umsatzstärksten Angeboten im AppStore insgesamt“, sagt Otte. „Dieser Erfolg zeigt also auch, dass Leser bereit sind, für exzellenten Journalismus auch in digitaler Form zu bezahlen.“
Plattform für die "Zeitung der Zukunft"
Weltweit haben Medienhäuser in den vergangenen Monaten mit Hochdruck an der Entwicklung eigener Applikationen gearbeitet, um neue Kunden auf der „Wunderflunder“, wie DER SPIEGEL das iPad nannte, zu erreichen und somit die Reichweite des Mediums auszudehnen. Sogar Deutschlands auflagenstärkstes Blatt, die BILD-Zeitung, verfügt seit Dezember über eine iPad-App. „Ab sofort können Sie die Zeitung der Zukunft lesen“, lautet der Werbeslogan der Boulevard-Zeitung, die mit einer ungewöhnlich großen Werbeaktion den Betrachtern auf Plakatwänden mitteilt: „So neidisch war ihr Sitznachbar noch nie auf ihre Zeitung.“ Aber auch kleinere Zeitungen wie die „Oberhessische Presse“ setzen auf den neuen Vertriebskanal, mit dem die Verlage Auflagenverluste der Printausgabe ausgleichen wollen. Einen ganz neuen Weg ist die „Frankfurter Rundschau“ gegangen, die im September mit einem täglichen Magazin auf dem iPad für Aufsehen sorgte und dafür bereits mehrere internationale Auszeichnungen erhalten hat. Die FR-App bietet ausführliche Texte, opulente Fotos, Audiodateien und sogar Videos.
Seit dem 29. Januar 2010 hat auch die Rheinische Post eine eigene App. RP plus heißt das Wochenend-Magazin für das iPad, das jeweils samstags um 14 Uhr aktualisiert wird und das Themenspektrum für ganz Nordrhein-Westfalen aufweist. Es handelt sich um eine eigenständige Applikation, das keine Überschneidungen mit der Zeitung aufweist und als originäres Magazin auftritt.
Aussicht auf neue Reichweite und neue Werbeerlöse
Es ist nicht nur die Aussicht auf Reichweitengewinn, die Print-Verlage motiviert, eigene Angebote für Tablets anzubieten, es ist vor allem die Aussicht auf neue Verkaufs- und Werbeeinnahmen. Nach vielen frustrierenden Jahren mit werbefinanzierten Gratis-Angeboten im Internet verheißt die neue Gerätegeneration der Tablets der Branche Chancen auf neue Umsätze. Zeitungen und Zeitschriften können auf dem iPad im Einzelverkauf und im Abonnement angeboten werden, weil das Apple-System ein einfaches Verkaufsmodell integriert hat. Diesen Service lässt sich Apple allerdings mit 30 Prozent vom Umsatz bezahlen. Keine Umsatzbeteiligung fällt dagegen bei den Anzeigen in den Applikationen an, auf deren Erfolg sich die Verlage ebenfalls Hoffnung machen. So sind auf dem iPad neue Anzeigenformate möglich, die für die Werbekunden von großem Interesse sein dürften: Werbung mit ergänzenden Sprachinformationen und Musik oder Bewegtbildern und Anzeigen, auf die der Betrachter interaktiv reagieren kann. Experten sind sich einig, dass für solche attraktive Werbeformen auch entsprechend hohe Preise erzielt werden können.
Erste Erfahrungen mit den iPad-Angeboten geben Anlass zur Hoffnung, wenn auch nicht zu dem Grad an Euphorie, wie sie anfangs in der Medienbranche herrschte. So berichten Branchenexperten von einem ungewohnt starkem Interesse bei großen Unternehmen und Werbeagenturen, Werbung auf den iPad-Applikationen zu schalten. Positiv sind auch die ersten Eindrücke von den iPad-Besitzern, die offensichtlich eher bereit sind, Geld für Leistungen auf diesem Gerät zu bezahlen als Internetnutzer am PC. So hat die Internetplattform Ebay herausgefunden, dass sich ihre iPad-Nutzer mehr Produkte ansehen und mehr Geld ausgeben als übliche Internet-Surfer. Marktforscher gehen davon aus, dass sich die Nutzung von Printmedien und digitalen Inhalten im Internet auf Tablets verlagern wird. Eine Befragung unter britischen iPad-Besitzern im August 2010 hat diese These bestätigt: Die Mehrheit gab unter anderem an, Zeitungen und Magazine mehr auf dem iPad zu lesen als auf Papier oder im Internet.
Multimediales Erzählen und Interaktion mit dem Leser
Für Medienhäuser bedeutet der Trend zum Tablet aber nicht nur eine Chance, mehr Konsumenten und mehr Umsätze zu generieren, sondern auch die Notwendigkeit, ihr Produktportfolio zu erweitern. Es wird nicht ausreichen, die Papierausgabe auf den Monitor zu transferieren; vielmehr geht es darum, die multimedialen und interaktiven Möglichkeiten des neuen Mediums auszunutzen, um nicht alten Wein in neuen Schläuchen anzubieten. Applikationen von Verlagen müssen entsprechend als attraktive Multimedia-Apps produziert werden, um den Vorteil gegenüber dem Papier auszuspielen. Das bedeutet zugleich eine große Chance für klassische Redaktionen, ihr Printangebot jenseits von Text und Bild multimedial zu erweitern. „Wie jedes Medium bieten aber auch Tablet-Computer besondere Möglichkeiten Geschichten zu inszenieren“, sagt Romanus Otte. „Im Idealfall verschmelzen auf dem iPad dabei die besten Eigenschaften aus Print, Online, Mobile und Fernsehen. Multimediales Erzählen, Interaktion mit dem Leser, Aktualität werden den besten Journalismus auf dem ipad auszeichnen.“ Weil zudem der Aufwand für Druck und Vertrieb entfällt, können Medienhäuser mehr maßgeschneiderte Apps für spezifische Zielgruppen anbieten als dies mit Printprodukten möglich wäre.
Das Jahr 2011 wird das „Jahr des Tablets“ hieß es im Januar auf der Fachmesse CES in Las Vegas, wo gleich Dutzende neuer Tablet-Geräte präsentiert worden sind. Die Branche rechnet damit, dass bis Ende 2012 rund 70 Millionen Tablet-PC in den USA verkauft sind, davon 50 Millionen iPads. Für Experten und Marktforscher ist absehbar, dass vor allem Google mit seinem Betriebssystem Android ein starker Konkurrent für den Marktführer Apple wird und sich wahrscheinlich noch ein dritter großer Anbieter etabliert. Verlagshäuser in den USA erwarten, dass 20 bis 25 Prozent ihrer Printleser bis zum Jahr 2015 zum Tablet wechseln werden. Ein Verleger hat gerade Großes vor: Rupert Murdoch investiert 30 Millionen Dollar für die mit Spannung erwartete Nachrichten-App „The Daily“, die auch von Steve Jobs unterstützt wird.